Der kleine, aber entscheidende Moment in der Karriere einer Frau

Jeder, ob Mann oder Frau, wünscht sich vom eigenen Partner neben vielen anderen Dingen vor allem eines: emotionale Unterstützung. Man ersehnt vom anderen, er oder sie möge dabei helfen, die kleinen und großen Ängste zu bewältigen. Es ist schön, Schwächen leben zu können und sich Zuhause auch mal hängenlassen zu dürfen. Ganz wunderbar fühlt es sich an, wenn das Gegenüber den eigenen Standpunkt versteht, vielleich sogar einnimmt und die darauf basierenden Entscheidungen voll und ganz unterstützt. All dies, was sich grob als Einfühlungsvermögen und Loyalität zusammenfassen lässt, ist wesentlich für funktionierende Beziehungen. 

Doch ein Zuviel an privatem Kokooning kann Frauen mit Kindern kurz vor dem beruflichen Wiedereinstieg völlig ausbremsen. Denn dies ist der entscheidende Moment im Berufsleben einer Frau, ein Moment, in dem sich das Paar besser nicht zu fest in die Wohlfühldecke einkuschelt. 

Sie braucht einen Partner, der ihr sagt: 

„Du schaffst das. Wenn Du jetzt beruflich zu viel und zu lange zurücksteckst, wirst Du das später bereuen.“ 

Und er braucht eine Partnerin, die sagt: 

„Ohne Deine Hilfe schaffe ich das nicht. Jetzt musst Du mal zurückstecken.“ 

Stattdessen sagt er: 

„Nimm Dir ruhig die Zeit. Du wirst schon wieder reinkommen. Lass Dir Zeit.“ 

Und sie sagt: 

„Ich arbeite erst einmal Teilzeit.“ 

Das ist sicherlich gut gemeint und praktikabel, aber oft ein fataler Karrierekiller. Denn wir alle wissen, wie hart ein Wiedereintieg für Frauen sein kann. 

Noch immer sind es vor allem die Mütter, die beruflich zurückstecken. Noch immer sind es vor allem sie,  die von Schuldgefühlen geplagt werden, wenn sie sich mit vollem Elan der Karriere widmen. Das Ende der Elternzeit ist für Frauen ein schwieriger Moment. Das Leben hat sich völlig verändert. Man ist müde und häufig auch erschöpft, Wochen, Monate, nicht selten sogar viele Jahre. In diesen Zeiten gibt es nicht so viele energiegeladene Moment, in denen sie gerne frohgesinnt ins anspruchsvolle Arbeitsleben zurückgeschubst werden möchte, sondern gerne noch eine kleine Schonfrist hätte. Dabei sind es immer wieder diese kleinen Schubser, die neuen Herausforderungen, die uns wachsen und reifen lassen. 

Verständlicherweise haben viele Frauen das Gefühl, dass sie das einfach noch nicht schaffen, dass ihnen die Energie fehlt. Und in der Tat ist die Integration von Arbeit und Familie alles andere als ein Zuckerschlecken. Wie gut das gelingt, hängt vor allem von den Einstellungen des Arbeitgebers ab, aber auch von der Unterstützung Zuhause. Macht der Partner weiter so wie zuvor? Oder erkennt auch er, dass nichts mehr so ist wie zuvor, dass auch er mal auf die Bremse treten muss, dass die Familie für beide im Vordergrund steht? 

Schon aus praktischen Gründen, prioritär weil sie stillen, nehmen vor allem die Mütter in den ersten Monten Elternzeit und bleiben häufig dabei. Schnell schleifen sich dabei Arbeitsteilungen ein, die später nur schwer wieder aufzubrechen sind. Wenn die Frauen dann wieder arbeiten geht, entsteht Zuhause eine Lücke. Und die muss er gemeinsam mit ihr füllen. Alles wird wieder auf Null gesetzt, jegliche Aufgaben im Haushalt müssen neu verteilt werden, damit der Laden brummt. Wer bringt das Kind zur Kita, zur Schule, wer ist nachmittags vor Ort, wer organisiert den Babysitter, die Kindergeburtstage, faltet die Wäsche, kauft ein? 

Der Großteil erhält Unterstützung, nicht selten werden die Aufgaben 50/50 geteilt. Viele Frauen erhalten deshalb nicht den liebevollen Schubs, der nötig ist, um mit frischer Energie wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. 

„Mach, geh, Du schafft das. Wir wuppen das hier schon gemeinsam.“ 

Angesichts der nicht unberechtigten Zweifel das alles wirklich gewuppt zu kriegen, wäre genau das das  entscheidende Signal für ihre weitere Karriere, aber auch der entscheidende Moment für die Zufriedenheit in der Beziehung. 

Beide müssen sich eingestehen, dass eine Doppelkarriere kein Spaziergang wird. Es scheint verführerisch, wenn einer zurücksteckt und dem anderen den Rücken freihält. Für nicht wenige kann das auch ein dauerhaft glückliches Modell sein. Aber häufig ist es ein Muster, in das viel Paare hineinrutschen und sich daraus nur schwer wieder befreien können. Deswegen sollten sich beide schon zu Beginn der Elternzeit mindestens einmal in der Woche für ein paar Minuten zusammensetzen und sich gegenseitig gut zuhören. Sie könnten sich folgende einfache Fragen stellen: 

„Wie geht es Dir?"

"Was möchtest Du?" 

"Was macht uns glücklich? "

"Was ist uns wichtig?"

"Wie können wir das gemeinsam errreichen?“

Nichts ist für immer und ewig in Stein gemeißelt. Eine gute Work-Life-Balance ist kein statisches Konzept. Sie erfordert stetige Kommunikation und den Willen, den anderen auch mal ein wenig zu schubsen - wenn es nötig sein sollte.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0