Familie und Arbeit global gesehen

"KINDHEITEN - Wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden"

Meine Tochter stellte mir nach einer langen Reise durch Asien die Frage: „Mama, wo wohnt das Glück?“ Und ich stellte mir die Frage: „Hat sie wirklich eine glückliche Kindheit?“ Auf der Suche nach dem Wohnort des Kindheitsglück habe ich mich mit Eltern, Familientherapeuten und Wissenschaftlern auf fünf Kontinenten darüber unterhalten, was für sie eine gute Kindheit ausmacht. Für mich hat sich bei diesen Gesprächen nach und nach ein Puzzle zusammengesetzt. Ich habe vieles in Frage gestellt, was ich bisher für selbstverständlich hielt. Es ist nicht leicht, sich vom eigenen kulturellen Erziehungsumfeld zu lösen, das wurde mir zwar schnell bewusst. Denn gerade der deutsche mütterliche Allmachtswahn hat mich manchmal recht fest im Griff.

 

Doch Kindern, das ist ein Fazit meiner Reise zum Kindheitsglück, geht es vor allem in den Gesellschaften gut, in denen Erziehung als gemeinschaftliche Aufgabe betrachtet wird, in denen Mütter nicht die Last, aber auch die Freuden des Elternseins großteils alleine erleben. In Italien und Spanien zum Beispiel erleben Kinder eine große Geborgenheit innerhalb der Familie. Freunde, Verwandte, Nachbarn kümmern sich. Kinder sind fast überall sehr willkommen, ob in Restaurants, Geschäften, Behörden. Kaum jemand stört sich dort an laut spielenden Kindern.

 

Viele Studien belegen, dass es auch Kindern in den Niederlanden oder Skandinavien vergleichsweise gut geht. Das Familienmodell in diesen Ländern ist sehr egalitär, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Beruf und Familie zu vereinbaren, sind exzellent. Kindern wird viel Raum gegeben. Sie haben mehr Mitspracherechte. Die Kindergärten sind gut. In den Schulen wird neun Jahre lang gemeinsam gelernt. Es gibt also keinen frühen Übergangsstress wie in Deutschland. Das skandinavische Schulsystem ist erfolgreich, die Schülern lernen, haben aber auch viele Ruhephasen und können noch recht lange Kind bleiben. Vätern wird es leichter gemacht, sich viel Zeit für die Familie zu nehmen, es wird auch von ihnen erwartet.

 

Kindheitsglück möchte ich aber gar nicht an einer Kultur, an einem Land festmachen. Es kann überall Zuhause sein, egal ob in einer Klein- oder Großfamilie, am Nordpolarkreis, in einem Münchner Vorort, einem Dorf in Kamerun oder in einer winzig kleinen Wohnung in Tokio. Kindheitsglück hat überall dort eine Chance, wo Erwachsene sich einfühlsam auf die Heranwachsenden einlassen und sich Zeit für sie nehmen - vorausgesetzt natürlich die grundlegenden, lebenswichtigen Bedürfnisse sind erfüllt.

 

Eltern und Kindern tut es gut, offen zu sein, sich auszutauschen. Mich hat es sehr beeindruckt, wie liebevoll viele japanische Eltern mit ihren kleinen Kindern umgehen, wieviel Geduld sie an den Tag legen. Niemand käme dort auf die Idee von „kleinen Tyrannen“ zu sprechen, wenn sie mal einen Trotzanfall haben. Kinder lernen von Vorbildern, vor allem von empathischen Vorbildern, am besten von vielen, frei nach dem bekannten afrikanischen Sprichwort: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind in einen erwachsenen, reifen Menschen zu verwandeln...und eine Menge Humor!

 

"Kindheiten - wie kleine Menschen in anderen Ländern groß werden"Jetzt bestellen

 

Ab Oktober auch als Hörbuch, gekürzte Lesung, vertont von Ulrike Hübschmann

mehr auch auf meiner Facebook-Seite: https://www.facebook.com/SoziologenLabor

 

PRESSESTIMMEN zu "Kindheiten":

 

Eine Reise um die Welt zu den Familien dieser Erde und ihren Vorstellungen von glücklichen Kindheiten.

 

 

 

Pressestimmen:

 

tagesspiegel,

Welt am Sonntag,

Berliner Zeitung

 

 

 

 

Weitere Veröffentlichungen:

 

Die Kinder des Paragraphen 1008 - Drogenkrieg in Bolivien

in: "Ich will endlich Frieden" - Kinder im Krieg, Hrsg. Martin Oetringhaus

erschienen bei Westfälisches Dampfboot